Geschlechterrollen und -verhältnisse sowie deren Entgrenzung finden sich auf unterschiedliche Weise im Werk Thomas Manns thematisiert. Im Rahmen des Kurzseminars sollen, ausgehend von der Novelle „Der Tod in Venedig“, ausgewählte Beispiele gemeinsam diskutiert werden. Zugleich bietet die Veranstaltung Einblicke in gendertheoretische Ansätze in den Literatur- und Kulturwissenschaften.

Weihnachten steht vor der Tür und Sie haben sicher schon alle Geschenke besorgt. Vielleicht bleibt Ihnen noch etwas Zeit übrig, um sich mit der symbolischen Dimension des Gabentauschs auseinanderzusetzen. Die Gabe ist ein soziales Phänomen. Sie steht seit der Studie von Marcel Mauss (Essai sur le don, 1925; dt. Die Gabe. Form und Funktion des Austauschs in archaischen Gesellschaften) im Mittelpunkt ethnologischer Untersuchungen über die Herstellung sozialer Kohäsion. Dabei haben das Konzept der Gabe und der Akt des Gabentauschs verschiedene Interpretationen erfahren, die sich an der Grenze zwischen Sozialphilosophie, Anthropologie und Ethik bewegen. Die Auseinandersetzung mit diesem vielschichtigen Phänomen ermöglicht Zugänge zu Fragen der Ökonomie bzw. der unterschiedlichen Formen ökonomischer Rationalität sowie der Anerkennungstheorie, besonders mit Blick auf Formen der Reziprozität und auf die Prozesse der (latent gewaltsamen) Erzeugung symmetrischer oder asymmetrischer Beziehungen.

Der französ. Philosoph Gilles Deleuze (1925–1995) hat 1990 in einer Reihe kürzerer Texte die Konturen dessen entworfen, was er „Kontrollgesellschaft“ nennt. Darin geht er der Frage nach, wie neue Formen von Freiheit, die mit Schlagwörtern wie „Flexibilität“ und „Mobilität“ einhergehen, immer auch neue Arten sozialer Kontrolle implizieren. In knappen Zügen skizziert er die Schattenseite neoliberaler Ordnungen, die auch für heutige Diskussionen – man denke an den gläsernen Bürger im digitalen Zeitalter – relevant sind. Im Rahmen des Kurzseminars sollen diese Texte gemeinsam diskutiert werden, um Analysekategorien kennenzulernen, die es erlauben, komplexe gesellschaftliche Wandlungsprozesse und neue Widerstandsformen zu beschreiben.

Diese Einführungsveranstaltung richtet sich an alle Interessierten des Studieren ab 50 Programms. Da das kommende Wintersemester unter dem Vorzeichen von Corona verstärkt online stattfinden wird, bieten diese Blockveranstaltungen die Möglichkeit die Plattformen, die von Dozierenden im Rahmen von Studieren ab 50 genutzt werden (z.B. Moodle, Zoom usw.) unter Anleitung selbst zu entdecken und kennenzulernen. 

Die Veranstaltung findet an folgenden Terminen im Gebäude 40, Raum 130 statt:

  • 20. Oktober 2020, 11:15-12:45 Uhr
  • 21. Oktober 2020, 11:15-12:45 Uhr 
  • 26. Oktober 2020, 15:15-16:45 Uhr
  • 02. November 2020, 15:15-16:45 Uhr